
Mein Sieg

Mein Erfolg ist ein halbes Jahr ohne Alkohol. Möge es nicht viel sein – ich verlasse diesen Weg nicht. Mein ganzes Leben suchte ich danach, was ich nicht fand. Mehr als dreißig Jahre lebte ich mit Gefühl, ich sei ein Ausgestoßener. Es war auch so: ich habe meine Heimat verlassen, bin noch als Kind aus Russland ausgewandert. Meine Eltern, wie viele damals, emigrierten nach Deutschland. Man glaubt, die Kinder sollen unter neunen Umständen schneller zurechtkommen, aber ich habe nicht daran gewöhnt. In München, unser Auswanderungsort, ging ich kaum mit jemandem um, erst nach einem Jahr lernte ich meinen zukünftigen Freund kennen, auch einen ehemaligen SU-Bürger. Danach verbreitete sich der Kreis von solchen Bekannten – wir schafften unsere eigene Welt, unsere Szene, wo wir uns bequem fühlten. Aber der Alltagskomfort ist nichts gemessen an dem Seelenschmerz, und gerade den Schmerz fühlten wir im fremden Land.
Wir begannen früh zu verdienen und herum zu schwärmen. Wir trinken die ganze Nacht durch. Mit jedem Mal trank ich immer mehr, um mir zu zeigen, dass ich noch mehr kann, dass ich nicht alkoholabhängig bin, dass ich die Situation in Griff habe. Längere Zeit geling es mir, aber Katzenjammer war immer schwieriger und häufiger. Zu der Zeit hatte ich schon meine eigene Familie. Meine Frau glaubte, dass ihre Liebe mir hilft, mit dem Trinken aufzuhören. Ich meinte auch so, aber ich konnte nicht... jetzt war ich unter der Alkoholsteuerung. Was mich vernichtete, gab auch gleichzeitig die Rettung: in meinem Umkreis waren die Abhängigkeiten nicht selten. Jeder konsumierte was, wusste, wo es zu kriegen gab und wo die Hilfe zu holen war. So habe ich Polinar gefunden. Die Notwendigkeit, eine lange Reise zu unternehmen, war kein Hindernis für mich. Angeblich fühlte ich, nur die Heimat könnte mir ein normales Leben wieder geben. Schon ein halbes Jahr bin ich im Zentrum. Hier habe ich wirklich wichtige Leute für mein Leben getroffen. Sie haben mich buchstäblich auf die Beine gebracht. Besondere Dankesworte and Nelli Wasiljewna - führende Ärztin der Klinik, wenn nicht sie gäbe… So würde meine Frau und Kind ohne Ernährer bleiben. Im Zentrum wurde mir die Verantwortung beigebracht – bei uns sorgen die Patienten für einander. Das System ist so gebaut, dass du dich als ein Bestandteil einer großen Familie fühlst, die dich braucht und die du nicht sitzen lassen darfst. Aber auch die Familie lässt dich nicht in Stich, im Gegenteil, sie unterstützt. Wir besprechen unsere Probleme, wir lernen einander verstehen, wir lernen wieder den eigenen Lebensweg finden.





